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| gut beraten - basics |

Basics oder: Sie als Mensch beraten einzigartig

Sie bringen sich automatisch mit ihren gesamten Erfahrungen, Werten und Einstellungen ein. Das können Sie nicht abstellen und sollten es auch nicht versuchen, sondern es positiv nutzen! Ein Beispiel: die Prägung durch die Eltern. In gemeinsamen Fallbesprechungen mit anderen Berater*innen wird ziemlich oft das Thema "Eltern mit in der Beratung" thematisiert: einige von uns haben das Gefühl, sich vor einem männlichen oder weiblichen Elternteil besonders beweisen zu müssen. Dahinter steckt vielleicht, dem eigenen Vater (immer noch) etwas beweisen zu wollen/müssen. Solche Reflektionen helfen, besonders wenn man sich das schon im Gespräch bewusst macht: "Das ist jetzt nicht meine Mutter!" oder sich vorstellt, dass es eine Freundin/Oma/Tante der Ratsuchenden ist. Nebenbei gesagt ist es aber sehr wichtig zu wissen, wer die begleitende Person ist - sonst kann es zu unangenehmen Situationen kommen...

In Gesprächen - bei Ihnen vielleicht ein Elternsprechtag- ist es Ihnen bestimmt schon so ergangen, dass Sie sich fragten, warum das Gespräch so schräg geworden ist oder warum Sie sich so aufgeregt haben. Fragen wie diese helfen:
Was hat mich so wütend/aufgeregt/verständnisvoll gemacht?
Warum habe ich mich so angefasst (oder auch berührt) gefühlt?
Im nächsten Schritt könnten Sie sich überlegen, was Sie bei nächsten Mal anders machen möchten. An welcher Stelle hätten sie das Gespräch noch wenden können? Meistens gelingt das, indem man eine verständnisvolle Aussage macht, mit der Sie denjenigen wieder "auf ihre Seite" holen oder sich wieder "auf seine Seite" stellen.

Beispiel aus der Praxis

Ich hatte mal eine Ratsuchende, die mich konsequent nicht angeschaut hatte. Sie schielte nicht, sondern schaute um fast 45 Grad in eine andere Richtung. Ich ging zunächst von einer Behinderung aus, aber sie thematisierte es so gar nicht, und ich verpasste komplett den Moment, wo es noch zu thematisieren ging bzw. sie ging auf meine Andeutungen schlicht nicht ein (Fragen zur Gesundheit allgemeiner Art). Sie wollte auch noch Lehrerin oder Therapeutin werden!
Als sie raus ging, war ich sprachlos über mich selbst, wie habe ich das -besonders mit dem Berufswunsch- übergehen können? Ich nahm mir fest vor, dass das nie wieder passieren wird (hat auch geklappt)! Ich denke, es war eine Mischung aus falscher Höflichkeit und sie nicht brüskieren wollen, aber auch Selbstzweifel an meiner Wahrnehmung, dass sie mich gar nicht anschaut und dass das sicher nicht o.k. ist. Ich hätte darauf vertrauen sollen, dass ich es richtig ansprechen kann und auch tun sollen, mit Sätzen wie: "Es ist für mich etwas ungewohnt, dass Sie nicht in meine Richtung schauen" oder "Ich fühle mich etwas unwohl damit, dass Sie mich nicht anschauen - liegt es an mir?"

Das nächste Mal mache ich das bestimmt...

 

Herzen

 

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