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Einstellungssache

Genauso wie es sinnvoll sein kann, den Ratsuchenden zu fragen, was er oder sie in diesem Gespräch erreichen möchte, sollten wir uns diese Frage auch ab und zu stellen:

Was möchte ich in diesem Gespräch für mich erreichen?

Zum Beispiel möchte ich in meinen Gesprächen für mich erreichen, dass derjenige sich in seiner Gesamtheit angenommen und gewertschätzt fühlt und ich es schaffe, mich auf seine Stärken zu konzentrieren. Das ist nicht so leicht, wie es sich anhört!
Immer wieder ertappe ich mich dabei, dass ich z.B. denke, das klappt doch eh nicht (mit den Noten, mit der Einstellung, mit mit mit). Dankenswerterweise gibt es etliche Menschen, die mich eines Besseren belehrt haben. Die gibt es natürlich! Ich denke an diese und frage mich, wie ich es mir anmaßen kann und darf, jemandem dieses Ziel nicht zuzutrauen.
Auch wenn ich weiß, dass ich erfahrungsgemäß leider bei vielen mit meiner Einschätzung richtig liege, nützt das demjenigen im Gespräch doch überhaupt nichts! Es ist eine schwierige Gratwanderung, denn nur Honig ums Maul schmieren möchte ich auch nicht; er oder sie sollte schon die Hürden kennen und was geändert werden müsste. Es hilft, wenn derjenige selbst zu diversen Einsichten kommt. Ich könnte ihn fragen, wie er seine Chancen bei einem Arbeitgeber einschätzt ("Wenn Sie selbst Arbeitgeber wären, wie würden Sie auswählen?") und wie er sie aus seiner Sicht verbessern könnte.
Es klingt abgedroschen, aber wir sollten uns vor jedem Gespräch immer wieder klar sagen, dass wir unsere (Vor)urteile vor der Tür lassen und uns für jeden Menschen auf's Neue interessieren sollten.

Ein Beispiel aus der Praxis - aktives Zuhören

Ich habe viele, also Hunderte von Schülern von einer wirtschaftsbezogenen Schule beraten, die - pauschal gesagt - alle gleich aussehen und alle das gleiche wollen: viel Geld verdienen, schick aussehen, viel unterwegs und wichtig sein. Ich habe das Gefühl, es wäre ihnen total egal, was sie machen, Hauptsache, die oberen Kriterien werden erfüllt.
Es ist für mich eine besondere Herausforderung, weil ich diese Ziele so gar nicht teile. Also sind das genau die Beratungen, die meine ganze Kompetenz in Sachen Empathie und Vorurteile-Abbauen brauchen! Die Gespräche laufen meist ähnlich ab, aber das Interessante ist, dass, wenn ich mich wirklich interessiert zeige, ich meistens doch etwas Einzigartiges/Ungewöhnliches, auch Sympathisches finde. Damit habe ich wiederum einen ganz anderen Zugang zu demjenigen, und auch meine Einstellung zu ihm hat sich geändert. Das Gespräch bringt auch mich weiter und ich merke mir erneut, dass alle Menschen anders sind!

Uninteressierte Gespräche sind langweilige Gespräche!

 

Handschlag


 

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