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NC und Co - die Zugangswege zum Studium

NC, Wartezeit, AdH, Talent und mehr

Jenseits sonstiger Zugänge für Berufstätige oder Menschen mit ausländischen Bildungsabschlüssen komme ich hier zu den Voraussetzungen für die "normalen“ Zulassungsverfahren (an staatlichen Hochschulen). Selten gibt es hierzu kleinere Abweichungen.

Grundsätzlich gibt es drei mögliche Situationen:
1. Es gibt keine Zulassungsbeschränkung - Chancen sehr gut.
2. Es gibt eine Zulassungsbeschränkung, aber in den letzten Jahren sind alle genommen worden - Chancen sehr gut.
3. Es gibt eine Zulassungsbeschränkung, in den letzten Jahren ist nur eine Auswahl in den Studiengang gekommen - Chancen individuell.

Einfahr - Verboten - Schild


1. Zulassungsfrei - es gibt keine Zulassungsbeschränkung

Mittlerweile sind viele so verunsichert, dass sie mir diese Variante gar nicht glauben! Wenn ich ihnen einen Studiengang, der in Berlin einen NC von 1,8 hatte, in Halle als zulassungsfrei zeige, muss ich es als Beweis ausdrucken.
Zulassungsfrei bedeutet, dass jeder, der sein Abitur bestanden hat, diesen Studiengang in diesem Semester studieren kann. Die Unis haben Erfahrungswerte und wissen, dass sich nicht auf einmal Tausende bewerben und deshalb können sie diese Zusage einhalten. Notfalls ist er in diesem Jahr etwas überfüllt und man führt für das nächste Startsemester einen NC ein. So war es einmal in Jura an der Uni Potsdam.

Etliche Studiengänge fallen hierunter, bundesweit auch beliebte Themen, in Berlin eher nur unbeliebte wie MINT (Mathe, Informatik, Naturwissenschaft und Technik), aber auch Orchideenfächer wie Altorientalistik oder Latein. Aber Vorsicht! Auch Frankreichstudien der FU ist als "zulassungsfrei" deklariert, hat aber eine Spracheignung, die nachzuweisen ist.

2. Zulassungsbeschränkung, aber alle zugelassen

Die Hochschule hat in diesem Fall einen NC eingeführt, um sich vor dem einklagbaren Recht zu schützen, jeden nehmen zu müssen. Bundesweit gibt es hier sehr viele Fälle: es gibt zwar theoretisch einen NC, aber in der Praxis wurden quasi immer alle genommen!
Für jemanden mit einem Abi von bis zu 4,0 bedeutet das eine Chance von - ich schätze mal - 95 Prozent. Lediglich eine Reduzierung der Plätze oder ein plötzlicher Anstieg in der Beliebtheit der Mitbewerber*innen trennt einen von seinem Wunschstudium!
In Berlin kommt das auch vor; die FU beispielsweise hat einige solche Studiengänge, allerdings eher unbeliebtere (Geographiewissenschaften) oder Studiengänge, auf die kein Mensch kommt, z.B. Kunstgeschichte Afrikas (es lohnt sich, mal in die NC-Liste der FU zu schauen!).

3. Zulassungsbeschränkung: NC, Wartezeit und Auswahlverfahren der Hochschulen

Für dieses Verfahren ist das Wichtigste die Frist: Seit, ich glaube, über 30 Jahren, ist diese der 15. Juli bzw. der 15. Januar. Menschen mit einem Abitur aus dem Jahr davor und länger, müssen sich manchmal jeweils sechs Wochen vorher bewerben. Es gibt eine – gut versteckte- Fristenliste der HRK.
Normalerweise (und das heißt, es gibt dabei durchaus auch andere Verteilungen) ist das Verteilungsverfahren wie folgt:
20% Abinote, 20% Wartezeit, 60% AdH (Auswahlverfahren der Hochschule), an der TU ist es 50% Note, 50% Wartezeit. Das AdH wird vielerorts auch mit der Abinote durchgeführt.

NC-Verfahren

Die Hochschulen führen nicht aus Willkür oder Arroganz einen bestimmten NC ein, sondern ein NC wird immer erst im Nachhinein, wenn sich mehr Leute beworben haben als es Plätze gibt, ermittelt.
Deshalb kann man sich nur Werte aus der Vergangenheit anschauen, und dies auch nur, wenn die Hochschulen die Werte veröffentlichen. Dies geschieht manchmal leider nicht, und meine Theorie dazu ist, dass die Hochschulen schlicht hohe Bewerberzahlen möchten und ein Mehr an Transparenz manche Leute von einer (aussichtslosen) Bewerbung abschrecken würde.

Ein Beispiel

Da die meisten Dinge für ca. 80 Prozent aller Studiengänge gelten, nenne ich Ihnen ein Beispiel, den Bachelor-Studiengang BWL an der FU:
Studiengang Note Wartezeit AdH Minderjährige
BWL 1,5 (2) 6 (2,7) 142,5 2,4

Es haben sich im letzten Wintersemester 2896 Menschen auf 230 Plätze beworben.

1. Quote "1,5 (2)" bedeutet:
20 % der Plätze wurden über die Abinote verteilt. Der letzte, der darüber noch genommen wurde, hatte ein Abi von 1,5. Die Abinote eines Bewerbers ändert sich übrigens - entgegen vieler Meinungen - im Laufe der Jahre nicht! Jemand mit 1,6 wurde über die Notenquote nicht angenommen. Bei gleicher Note wird die Wartezeit als Sortierkriterium herangezogen.

2. Quote "6 (2,7)" bedeutet:
Der letzte, der über die Wartezeitquote genommen wurde, hatte eine Wartezeit von 6 Semestern. Bei gleicher Wartezeit wird die Durchschnittsnote als Sortierkriterium herangezogen. Das bedeutet: Wer mehr als 6 Semester wartete, war sicher drin (mit jeder Abinote), wer 6 wartete nur bis 2,7, wer 5 hatte, bekam keinen Studienplatz. Die Wartezeit ist alles, was jemand tut, außer ein Studium in Europa. Eine Ausbildung machen, eine Weltreise tätigen, auf dem Sofa schlafen, egal!

3. Quote "142 AdH" bedeutet:
Dieser Wert bemisst sich – je nach Uni und Auswahlverfahren- verschiedentlich. Die Abinote muss weiterhin eine entscheidende Rolle spielen. An der FU werden Abinote (x75) , bestimmte Fächernoten (minus jeweils 15 Punkte), praktische Tätigkeiten (minus 5) und die Teilnahme am Kurs Studium und Beruf (minus 5) ins Verhältnis gesetzt. Für Bwl werden Mathe und Deutsch mit mindestens 11 Punkten im 4. Halbjahr oder in der Prüfung herangezogen. Es ist egal, ob Leistungskurs oder Grundkurs!

Bsp.: Abitur 2,2, Mathe mit 12 Punkten in Abiprüfung und keine weiteren Kriterien
2,2 x 75 = 165 Punkte minus 15 Punkte für Mathe, macht 150. Damit wäre er knapp nicht rein gekommen, mit weiteren 15 Punkten für Deutsch hätte es gereicht.

4. Die Minderjährigenquote "2,4":
Die Berliner Hochschulen sollen 5 Prozent der Plätze für Minderjährige frei halten. Der Wert 2,4 zeigt, dass es mittlerweile schon einige Minderjährige gibt, die studieren wollen. Die Quote gilt nicht für Berliner in anderen Bundesländern, denn der Sinn ist, dass sie bei ihren Eltern wohnen können.

Künstlerische, sportliche oder sprachliche Eignung

Hier versagen alle sonstigen Erklärungen, weil meistens das Talent zählt. Aber es gibt auch Variationen: Bei Studiengängen wie Kunst oder Visuelle Kommunikation, Dirigieren oder Film geht der Weg ins Studium über eine Eignungsfeststellung. Die Abinote spielt dagegen keine Rolle. So hatte ich mal jemanden mit einer Traumnote von 1,0, der Geige studieren wollte, und auch er musste ohne Bonus in die Eignungsprüfung.
Studiengänge wie Sportwissenschaft oder Sprachwissenschaften haben neben dem Eignungsnachweis (das kann eine Prüfung oder bestimmte Notennachweise sein) einen Numerus Clausus, wenn die Plätze für die Bewerber*innen nicht ausreichen. Hier wird also unter denjenigen, die die Prüfung bestanden haben, noch einmal nach Abinote und Wartezeit ausgewählt. So zum Beispiel Sportmanagement an der Uni Potsdam.

Manche Hochschulen wollen für bestimmte Studiengänge Lateinkenntnisse. Leider gibt nicht einmal mehr der Alt-Philologenverband eine Übersicht heraus, wo das der Fall ist, sondern verweist auf die jeweiligen Studiengänge der Hochschulen.


alte Tür


Die Tür der Hochschulen zu öffnen - nicht immer leicht verständlich...

 

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